Auf der Anhöhe über Zell, südöstlich der Burgruine Eisen­berg steht an einem wunderbaren Aussichtsort die Schloss­bergalm. Für die Landwirte der Gemeinde Eisenberg ist die Almhütte mit ihren rund 26 ha Weideflächen von unschätz­barem Wert und großer Bedeutung. Hier können die Bauern alljährlich von Anfang Mai bis Ende September ihr Jungvieh zum Älpen dem Alpirten anvertrauen, wo die Tiere in der freien Natur große Widerderstandsfähigkeiten erwerben können. Die Schlossbergalm wird aber auch von unzähligen Besuchern der restaurierten Burgruinen Hohenfreyberg und Eisenberg hoch geschätzt, weil hier jedermann die Wande­rung mit einer gemütlichen Einkehr abschließen kann.

Enorm geschichtsträchtig

Allerdings ist die Schlossbergalm nicht erst in der gegen­wärtigen Epoche von großer Bedeutung, sondern kann auf eine sehr bedeutungsvolle Geschichte verweisen. Hier befand sich nämlich die Lebensader der Adeligen von Freyberg, der Bauhof für die Burg Eisenberg und später natürlich auch für Hohenfreyberg. Hier waren die Stallungen mit den dazuge­hörigen Fluren, Städel, Anger und Gärten in unmittelbarer Nähe der Burgenbaustellen, was für die Versorgung von Adel und Gesinde von enormer Wichtigkeit war. Urkundlich dokumentiert sind diese Angaben im Staatsarchiv Augsburg in einem Dokument über die Teilung der Herrschaften Eisenberg von 1598. (Adel von Freyberg Lit. 54) Wörtlich heißt es hier: das schloss eisenberg hat noch am selben berg ain new erbawens hauß item städel, stallungen wie auch pomgärtten, enger, und aygne vichwaiden..… In dieser Urkunde sind die Städel (Bauhof) sowie alle dazugehörenden Wiesen, Äcker und sogar der Waldbesitz detailliert beschrieben. Somit kann es als erwiesen betrachtet werden, dass die Wiesen und Weideflächen des Schlossbergs schon bald ein Jahrtausend landwirtschaftlich genutzt werden und somit den Menschen der Region von Nutzen sind.

Die Fluren und Grundstücke der heutigen Schlossbergalm blieben über all die Jahrhunderte im Besitz der Adeligen von Freyberg. Um die Wende zum 20. Jahrhundert waren sie samt der Ruine Eisenberg sowie den umliegenden Wäldern im Besitz des Josef August Freiherr von Freyberg zu Eisenberg. Zu dieser Zeit hatte Gottfried Angerer, Bauer in Weizern, die Schlossbergalm von dem oben genannten Besitzer gepachtet. Er bewirtschaftete sie mit den damals ca. 16 ha Weideland bis zum Jahr 1923. Etwa 40 Kühe wurden, solange das Futter ausreichte, gehalten. Die Milch wurde zu Butter, Bergkäse und Limburger verarbeitet, die Käsesorten im Keller ausge­lagert und an verschiedene Abnehmer, der größte Teil jedoch nach Jungholz, verkauft. Der Pächter hatte auch die Familie von Freyberg mit den zwei Töchtern Maria und Olga, die in Füssen lebte, mit Butter und Käse zu versorgen. 1920 verstarb August von Freyberg zu Eisenberg im Alter von 70 Jahren.

Als im Jahr 1923 Gottfried Angerer die Schlossbergalm aufgab, nahm sie das Waisenhaus Pfronten für die eigene Landwirtschaft in Pacht. Die täglich anfallenden Arbeiten, z.B. Melken und Käsen, wurden von einem Oberhirten und einem Hirten verrichtet. Zu dieser Zeit wurde dann vornehm­lich Limburger und Romandur hergestellt. In den 20er Jahren weilte die Witwe von Josef August Freiherr von Freyberg zu Eisenberg, Mathilde mit ihren Töchtern Maria und Olga alljährlich mehrere Wochen zur Sommerfrische auf der Schlossbergalm. Mathilde von Freyberg zu Eisenberg starb 1930 im Alter von 78 Jahren, ihre Töchter Maria und Olga lebten weiterhin in Füssen, sie starben 1948 und 1952 und wurden in Zell beerdigt.

Bauernland in Bauernhand

Im Jahre 1938 wechselte die Schlossbergalm dann ihren Besitzer. Da die Freifrauen Maria und Olga schon im vor­gerückten Alter waren und keine Nachkommen hatten ent­schieden sie sich, ihre Grundstücke und somit auch die Schlossbergalm an die Stadt Füssen zu veräußern. Mit einem gewissen Bankier Keller hatten die Baronessen den Verkauf bereits vertraglich besiegelt. Dagegen wehrte sich jedoch die Bauernschaft erfolgreich, sie wollte den Besitz für die land­wirtschaftliche Nutzung erhalten. Namhafte Eisenberger Bür­ger, vor allem Josef Hipp, zu dieser Zeit Vorsitzender der Raiffeisenkasse Zell war und Pfarrer Franz Löckher, der mit den Baronessen persönlich gut bekannt war, verhandelten mit den Freifrauen und erreichten einen Sinneswandel. Gestärkt durch den Slogan der damals Regierenden, „Bauernland in Bauernhand“ fuhren Johann Kössel und Bürgermeister Karl Lipp nach München und konnten errei­chen, dass die Kaufverträge rückgängig gemacht wurden. Die Gemeinde Eisenberg war damals ebenfalls an diesen Liegen­schaften interessiert, war aber finanziell nicht in der Lage, den Kauf zu tätigen. So erwarb die Raiffeisenkasse Zell zum 01. 06. 1938 von Maria und Olga von Freyberg die Schloss­bergalm mit Wald, Weiden und Burgruine Eisenberg zum Betrag von 39.469 Reichsmark und ließ den Kaufvertrag notariell beurkunden.

Erneuter Besitzerwechsel

Anfang der 50er Jahre entbrannte um diesen Besitz erneut ein mächtiger Streit, der in der Gemeinde für großen Wirbel und manch unlautere Aktion sorgte. Das Waisenhaus Pfronten, verwaltet durch das Krankenhaus St. Vinzenz, wollte die Schlossbergalm, die sie bis dahin gepachtet hatte, käuflich erwerben. Eine eingeschworene Gruppe in der Gemeinde befürwortete dieses Vorhaben. Matthias Guggemos (Humml­bauer) war zu der Zeit Raiffeisen-Obmann, er versuchte mit Bürgermeister Jakob Häfele, dies um jeden Preis zu ver­hindern. Sie hatten den nötigen Weitblick und erkannten vorausschauend, dass diese Liegenschaften für Eisenberg von enormer Bedeutung sind. Schließlich erreichten sie unter starken Anfeindungen, dass alles in der Gemeinde verblieb. Da die jetzigen Generationen von diesen Turbulenzen nichts mehr wissen und es für selbstverständlich betrachten, dass die Schlossbergalm zur Gemeinde Eisenberg gehört, sei dies hier festgehalten.

Seit 1958 wird die Schlossbergalm ausschließlich von den Eisenberger Bauern genutzt. Als erstes Hirtenpaar zog in diesem Jahr Gottfried Brenner (Wegmachars Gottfried) mit Familie auf die Schlossbergalm. Sechs Sommer lang betreute er zusammen mit Ehefrau Franziska über 60 Stück Jungvieh und zwei bis drei Kühe. Mit der wenigen Milch, die er gewin­nen konnte, stellte er Butter, Romandur und Hauskäse („Ne­atzla“) zur Selbstversorgung her. Der Familie Brenner folgte 1964 und 65 Magnus Veitl aus Füssen. 16 Jahre lang ver­sorgte das Hirtenpaar Engelbert und Zenzi Müller das Vieh mustergültig und bewirtete die Alm. Im Jahr 1970 wurde die Alm- und Weidegenossenschaft gegründet, 1973 eine Wasser­leitung von Zell zur Schlossbergalm verlegt, gleichzeitig erfolgte auch der Anschluss an das Stromnetz. Im Jahr 1976 wurde das Wohnhaus mit der Almstube neu erbaut. Von 1982 bis 1985 versorgte die Familie Linder aus Rosshaupten das Vieh und bewirtete die Gäste. Ab dem Sommer 1985 wurde sie von Christl Atzler-Häfele bewirtet und das Alpvieh von deren Gatten Franz Häfele versorgt und betreut. Im Jahr 2006 übernahm Seppi Gast den Posten des Alphirten und Ehefrau Brigitte versorgt seitdem die Gäste der Almhütte.

Im Jahr 1979 wechselte die Schlossbergalm mitsamt der Ruine Eisenberg nochmals den Besitzer. Die gesamten Lie­genschaften wurden von der Gemeinde Eisenberg übernom­men, um deren Nutzung endgültig den Eisenberger Landwir­ten sicherzustellen.

Musik und Gesang stets gepflegt

Seit Ende der 1960er-Jahre wurden hier von der Musikka­pelle Eisenberg immer wieder große Bergfeste veranstaltet und in der Hütte fanden bunte Hüttenabende statt. Und bis in die Gegenwart, wenn nicht gerade Corona-Pandemie herrscht wird hier immer wieder gesungen, musiziert und die Geselligkeit gepflegt.