Im kleinen Eisenberger Ortsteil Holz gab es am Donnerstag, den 10. Oktober einen freudigen Anlass zum Feiern. Der weithin bekannte Grafiker und Allroundkünstler Siegfried Kössel konnte, nach einem Sturz leider nur im Rollstuhl, seinen 90. Ge-burtstag feiern. Dem betagten Künstler stattete Bürgermeister Alfons Stapf im Namen der Gemein-de und Albert Guggemos für den Veteranenverein einen Gratula­tionsbesuch ab. Auch Pfarrer Darius Niklewicz kam namens der Pfarrgemeinde mit Ge-novefa Sommer und Christine Zweng zum Gratulieren.

Eine schwere Kriegsverletzung brachte bei Siegfried Kössel die Wende hin zur Künstlerlaufbahn. In ei-nem Lazarett im Bayerischen Wald lernte der Bau-ernsohn aus Holz einen Akademieprofessor aus Wien kennen, der seine Talente entdeckte. Dieser öffnete ihm auch den Weg an die Kunstschule Nym-phenburg in München, 1950 kam er als Privatschü-ler zu Professor Wimmer in Wien. Zunächst bewirt-schaftete Siegfried Kössel noch den Landwirtschaft-lichen Betrieb in Holz, nachdem sein Bruder nicht vom Krieg heimgekehrt war, seine Liebe gehörte jedoch der Kunst und er gab den elterlichen Hof auf.

Nun entwickelte sich Kössel zum Allroundkünstler. Als Grafiker, Galerist und als Kunstschmied stellte er seine künstlerische Vielseitigkeit unter Beweis. Diese reichte von der Bilder-, Wand- und Deckenmalerei bis hin zu meisterhaften Kunstschmiede-, Holz- und Metallarbeiten. Was in seiner über 60-jährigen Kün-stlertätigkeit von ihm erdacht und geschaffen wurde, ist im gesamten süddeut-schen Raum und sogar bis Südtirol zu bewundern. Der Autodidakt machte sich als Gestalter von Häuserfassaden, Gaststuben und edlen Hoteleinrichtungen ebenso einen Namen wie mit Firmenlogos oder Metallplastiken. So ist z.B. das Gesicht der Stadt Füssen, insbesondere die Alt­stadt, eindeutig mit vielerlei Firmenlogos von den künstlerischen Zügen Kössels geprägt. Auch in der Ge-meinde Eisenberg sind überall seine Spuren zu finden. Große Bewunderung und Anerkennung erar­beitete sich der Künstler mit der Schaffung des Krie­gerdenkmal in Zell, mit dessen modernem Stil er 1971 der Zeit weit voraus war. Hier gelang es Kössel, eine Zeitepoche des Schreckens und der Men­schenverachtung als modernes Mahnelement zu statuieren. Trotz der eigen-willig modernen Gestaltung konnten ihm selbst konservative Zeitgenossen die Anerkennung für dieses Werk nicht verwehren. Bei all seinen Arbeiten hatte er immer einen zuverlässigen Helfer und Unterstützer, das war seine innigst geliebte Frau Theresia, die 2004 verstarb.

Neben der großartigen Ausgestaltung seines Maler­hofes in Holz hat er sich als bald 80-Jähriger noch einen persönlichen Traum verwirklicht. Er erbaute mit Hilfe seiner Nachbarn die Engelkapelle auf seinem Grundstück, die immer wie-der zahlreiche Besucher anzieht. Er habe zwar nie ein Gelübde abgelegt, je-doch fühle er sich diesen himmlischen Wesen immer sehr verbunden und nah.

An seinem Ehrentag überreichten dem betagten Künstler und Jubilar Bürgermeister Alfons Stapf und Albert Guggemos jeweils einen Essensgutschein, der ihn sichtlich erfreute. Dabei erzählte „Lutze Sieg­fried“, wie er bis heute dem Hausnamen nach in der Gemeinde Eisenberg genannt wird, von einprägenden und schicksalhaften Kriegserlebnissen in Russland und mit Begeisterung von seinem vielseitigen künst­lerischen Schaffen