Es krönt des Pädagogen Wandel, wenn er als Mensch auch menschlich handelt. Diesen Leitsatz lebte und verwirklichte die Lehrerin Angelika Martin aus tiefster Überzeugung während ihres 42-jährigen Schul-dienstes. Am Freitag, den 24. Juli wurde sie mit höchster Anerkennung und Ehrungen von allen Seiten überhäuft und nach 24 Jahren überaus erfolgreicher Schulleitung an der „von Freyberg-Grundschule” in Speiden in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Ihr mütter-liches Verhalten zu den Kindern sowie ihre liebenswerte und umgäng-liche und trotzdem durchsetzungsfähige Art zog sich durch alle Re­den bei der Verabschiedung, die vom Lehrerkollegium sowie vom Eltern-beirat und insbeson­dere von ihrer 3. Klasse äußerst liebevoll orga­nisiert und gestaltet wurde. Nach einem kurzen Harfenstück, vorgetragen von Lea Vollmair sangen die Kinder „Ihrer Dritten Klasse „Grüeß Gott mitand“ und stellten dabei fest, dass sie viel gelernt hätten und ihre Köpfe nicht mehr leer seien. Nun betrat der stellvertre­tende Schulleiter Hans Berktold das Rednerpult und zeigte sich erfreut, dass er neben vielen örtlichen Persönlichkeiten auch die Schulamtsdi­rektorin Eva Severa-Saile sowie ihren Vorgänger Eduard Happ in der schön geschmückten Halle begrüßen konnte. Du liebe Angelika warst bes­trebt, nicht nur Wissen und Können zu vermitteln, sondern auch Herz und Charakter zu bilden. Die Schule habe sehr viel Wandel durchlebt, doch jeder Schüler fühlte sich von dir angenommen, du warst allen wie eine zweite Mutter. Ich danke dir liebe Angelika, schloss Berktold seine Rede, für dein Arbeiten, dein Kämpfen und Lachen und wünsche dir einen guten und langen Ruhestand.

Eva Severa-Saile sagte in ihrer Ansprache, dass sie an diesem Tag von Wehmut verfolgt werde, sie könne sich aber auch an einem großen Kelch, gefüllt mit Dankbarkeit und frohem Mut erfreuen und entspannt in die Zukunft blicken. Als Ange­lika Martin am 1. Januar 1991 die Schulleitung übertragen wurde, herrschte allseits große Freude im damals noch großen Schulverband. Die neuernannte Schulleiterin habe damals gesagt, so die Schulrätin: „Ich hänge an meiner Heimat, das gibt mir Kraft“. Dass ihr diese Kraft bis heute erhalten blieb beweist ihre erfolgreiche und segensreiche Arbeit. Mit Gedichten, vorgetragen von ihrer 3. Klasse, brachten die Kinder zum Ausdruck, dass sie sich Dank dieser liebevollen Lehrerin als echte Glückspilze fühlen können. Sie übergaben ihr einen Apfelbaum, es soll der Baum deiner groß­artigen Früchte sein. Die Elternbeiratsvorsitzende Monika Reichart lobte ihre umgängliche Art, sie habe bei allen Problemen gute und konstruktive und für alle tragbare Lösungen gefunden. Sie sei als Rektorin der Schule das gute Dach gewesen, unter dem sich alle gut behütet und geborgen fühlen konnten. Deshalb überreichte sie der scheidenden Schulleiterin in symbolischem Sinn eine Dachplatte mit eingearbeiteter Blumenvase. Hopferaus Bürgermeister und stellvertretender Verbands–schulleiter Gregor Bayrhof freute sich, dass er zum ersten mal in seiner 25 Jahre währen­den Amtszeit nach dem Vortrag des Hopferauer Heimatlieds ans Rednerpult treten durfte. Er brachte in Erinnerung, wie es zu der „von Freyberg-Grundschule“ kam und erinnerte an ihre Worte von damals als sie sagte: Ich kann es nicht in Worte fassen, wie ich mich auf diese neue Schule freue“. Dass diese Schule heute so dastehe und allerhöchste Achtung im weiten Umfeld genieße, sei insbesondere ihr Verdienst und auch ein Verdienst des langjährigen Hausmeisters Klement Nigg. Das Einmalige an dieser Lehran­stalt sei, dass hier schwache Kinder extrem liebevoll mit Hingabe gefördert werden und den talentierteren alle Wege für eine erfolgreiche Zukunft geöffnet werden. Liebe Angelika, du hast einfach alles richtig gemacht, dafür kann ich dir nur meinen großen Dank zum Ausdruck bringen, sagte Bayrhof. Ich wünsche dir für deinen Ruhe­stand Gesundheit und eine Hand voll Enkelkinder, denn diese halten dich jung. Pfarrer Dariusz Niklewicz wollte sich an das Motto, eine gute Rede ist kurz, halten, musste aber die excelenten Leistungen und ihre padente und liebenswürdige Art hervorheben. Der Pfarrer überreichte ihr einen Bund mit zwei Schlüsseln als Abschiedsgeschenk. Einer stehe für die Liebe im Raum der Beziehungen, der zweite stehe als Schlüssel für den Himmel um die Weite der Zuspiele Gottes zu entdecken. Nach den Worten des Pfarrers erklang von der 3. Klasse das Lied: Eiser Hiomat des ischt Eiseberg“ das sich Ange­lika für ihren Abschied ausdrücklich gewünscht hatte. Dann ergriff auch Bürgermeister Manfred Kössel das Wort, der diese Bildungseinrichtung ein Super-Top-Unternehmen nannte, das sich auch medial auf dem allerneuesten Stand befinde. Er dankte ihr für den großen Segen, den sie gebracht hat und dass dieser Segen sie auch allzeit beflügeln möge. Das Kollegium hatte für den Abschied ihrer Chefin noch Thomas Gottschalk mit zahlreichen Fernsehstars und der Sendung „Wetten dass“ nach Speiden beordert. In lustigen Spielen musste Angelika Martin Wetten eingehen und am Schluss gab es sogar noch eine Videobotschaft mit aner­kennenden Dankesworten vom Bayerischen Mi­nisterpräsidenten. Nun ergriff die so vielfach Geehrte noch selber das Wort. Es sei ihr einziges Ziel gewesen, alle ihr anvertrauten Kinder lebens­fähig und gesellschafts-fähig zu machen, damit sie den Anforderungen der heutigen Zeit allemal gewachsen seien. Tief gerührt und mit herzlichen Dankes-worten verabschiedete sie sich und lud allesamt zum gemütlichen Feiern in das Maria­hilfer Sudhaus ein.