Der Eisenberger Heimat- und Geschichtsforscher Bertold Pölcher, seines Zeichens Pädagoge im Unruhestand, konnte im Januar ein weiteres Kapi­tel seiner intensiven Forschungsarbeiten erfolg­reich abschließen. Seit dem Jahr 2000 hatte Pöl­cher in vielerlei Archiven und vorallem in den Büchern der Pfarrei Zell intensiv gesucht, ge­forscht und zusammengetragen und konnte so die Häusergeschichte und vieles aus der Vergangen­heit erkunden und aufschreiben.

Bertold Pölcher hat in seinen Erkundungen alle Anwesen der Gemeinde Eisenberg erfasst, die 1818 schon bestanden haben und in der ersten genauen Karte, der so genannten Uraufnahme Bayerns, eingetragen sind. Außerdem sind auch die Häuser aufgeführt, die noch bis etwa 1950 errichtet wurden. In den einzelnen Hausgeschich­ten sind alle Familien verzeichnet, die auf einem Hof gelebt haben. Oft reicht die Liste lückenlos mehr als 400 Jahre zurück. Sie wurde  bis heute immer weiter geführt. Personenbezogene Daten (Geburt/ Heirat/ Tod) finden sich aber nur bei bereits verstorbenen Personen.

Die Grundlage für die Arbeit war das Seelbuch der Pfarrei Zell, wo der Pfarrer bis etwa 1920 alle Pfarreiangehörigen einem Anwesen zugeordnet hat. Weil aber erst um 1785 Hausnummern einge­führt wurden, ist ihm dabei der eine oder andere Fehler unterlaufen, vor allem wenn so geläufige Namen wie „Johann Böck“ öfters vorkommen. Diese Fehler konnten durch die Auswertung von alten Steuer- und Protokollbüchern verbessert werden. In allen Ortsteilen werden insgesamt 95 Anwesen beschrieben, nur die heutigen Ortsteile Baumgarten, Lieben und der Kögelhof fehlen, weil sie damals noch nicht zur Pfarrei Zell gehörten. Diese Hausgeschichten hat in verkürzter Form Pia Böck in ihrem Buch „Seeg – wie es war, wie es ist“ beschrieben.

Interessante Einzelheiten, so der unermüdliche Heimatforscher, erfährt man besonders aus den alten Briefprotokollen der Herrschaft Eisenberg, die leider nur von 1677 bis 1727 ausgewertet werden konnten. Die Dokumente sind bei der jeweiligen Hausgeschichte eingearbeitet worden. In diesen Schriftstücken erfährt man manches über den Alltag in der Gemeinde, von Übergaben und Hochzeiten, von Steuern und Abgaben, aber auch von Beleidigungen und Schlägereien. Die Leute waren damals wohl sehr empfindlich, wenn es um ihren guten Ruf und ihre Ehre ging. Festgehalten hat Pölcher aber auch bisweilen unterhaltsame Episoden, die ihm erzählt wurden. Da ist zum Beispiel der Brandstifter, der verseh­entlich das falsche Haus angezündet hat.

Bertold Pölcher hat an der Hausgeschichte mit Unterbrechungen seit dem Jahr 2000 gearbeitet, wobei er die Orte und Weiler systematisch und einzeln unter die Lupe nahm. Deshalb kann auch jeder Ort direkt im Internet abgerufen und gesich­tet werden. Einsehen kann die Eintragungen jeder Interessierte auf der Homepage des Burgenmu­seums Eisenberg und nach Belieben auch aus­drucken unter:

(burgenmuseum-eisenberg/geschichte/hausgeschichte)