Sein Name hat Gewicht und steht für selbstloses Engagement für die Blasmusik in der Burgenge­meinde Eisenberg. Erich Schneider, von seinen Mu­sikerkollegen liebevoll „Papa Musik“ genannt, konnte in Zell am 7. April bei guter Gesundheit seinen 90. Geburtstag feiern. Der Jubilar stammt aus Neutitschein im heutigen Tschechien und kam 1946 im Rahmen der Vertreibung ins Allgäu, wo er nach traumatisierenden Erlebnissen als Heranwachsender in Pfronten mit seiner Mutter eine Bleibe fand. Hier konnte er seine in der Tschechoslovakei begonnene Maschinenschlosserlehre bei der Fa. Wetzer ab­schließen. Nach seiner Heirat mit Ludovika Brenner fand er in Zell eine neue Heimat.

Sein Musikerleben nahm in Pfronten zunächst bei einer kirchlichen Bläsergruppe seinen Anfang, wo ein Tenorhornspieler gebraucht wurde. Der junge Erich erkannte sein Talent und bildete sich unent­wegt weiter. Nach seiner Heirat im Jahr 1954 und dem damit verbunden Umzug nach Zell begann er sein Wirken für die hiesige Blaskapelle, die sich damals noch Musikkapelle Zell nannte. Am 19. April 1964 erklärte sich Erich Schneider bereit, die Kapelle als Dirigent zu übernehmen. Schneider er­reichte durch intensive Nachwuchsarbeit ein we­sentlich gesteigertes spielerisches Niveau und konn­te den Klangkörper schon bis zum Jubeljahr 1972, wo nach der Kriegspause das 25jährige Wieder­gründungsfest begangen wurde, auf 25 aktive Musi­ker verstärken. Bereits zum Jahreskonzert 1970 trat die Kapelle erstmals in der neuen „Allgäuer Musi­kertracht“ mit dem Eisenberger Wappen am Ärmel auf. An der Schaffung dieser neuen Kleidung hatte der Jubilar ebenfalls einen gewichtigen Anteil. Das Aufblühen und Wachsen der Kapelle basierte auf dem segensreichen Wirken von Erich Schneider als Dirigent. Der Stand von über 30 aktiven Musikanten am Ende seiner Dirigentenlaufbahn verdeutlicht den Erfolg seiner unermüdlichen Arbeit. Als er den Taktstock im Jahr 1978 an seinen Sohn Manfred übergab, war sein Engagement bei weitem nicht zu Ende. Er führte die gesamte Nachwuchsarbeit, die Ausbildung junger Musikantinnen und Musikanten in vollem Umfang weiter und widmete dieser Arbeit seine ganze, liebevolle Hingabe. Hier erwarb sich Schneider weit über seine Dirigententätigkeit hinaus enorme Verdienste. Als er in den wohlverdienten beruflichen Ruhestand eintrat, erforschte er in jah­relanger Arbeit den Ursprung und die Geschichte der Kapelle und konnte das Jahr 1842 als Grün­dungsjahr ausfindig machen, was 1996 zur Verleih­ung der „Pro musica Plakette“ führte. Beim Jahres­konzert 1992 wurde Erich Schneider für 40 Jahre aktives Musizieren geehrt und zum Ehrenmitglied ernannt.

Nachdem seine Frau Ludovika im Februar 2001 verstarb, lebt er seit 2013 bestens umsorgt bei seiner Tochter Hannelore Abt in deren Haus in Zell. Hier fühlt er sich sehr wohl und hier gibt’s auch öfter Besuch von seinen weiteren fünf Kindern, deren Familien inzwischen auf die stattliche Zahl von 13 Enkeln und 16 Urenkeln angewachsen sind, allesamt musikalisch begabt und aktiv. Gerne erin­nert sich der Jubilar an Urlaubfahrten nach Ungarn und zwei mehrtägige, herrlich schöne Aufenthalte mit allen Familienangehörigen in der Toskana, die für ihn unvergesslich im Gedächtnis bleiben. Wegen der Coronakrise gabs leider keine Besuche, dafür stand das Telefon den ganzen Tag nicht still.